Schon gewusst? Erstaunliche Fakten…

Igel sind erstaunliche Tiere. Wusstet Ihr z.B: schon:

Fakt 1: Igel sind rein nachtaktiv

Die Haupt-Nahrungsquelle für Igel sind nachtaktive Käfer, Käferlarven, Raupen sowie andere vorwiegend nachts aktive Insekten. Konsequenterweise wird ein Igel am Tag nicht aktiv sein, außer ein lebensbedrohliches Problem zwingt ihn dazu. Denn instinktiv „weiß“ der Igel, dass er tagsüber keine ordentliche Nahrung finden wird, dafür jedoch unzählige Gefahren auf ihn lauern.

Seht Ihr einen tagaktiven Igel, ist dies daher immer ein Zeichen dafür, dass er hilfsbedürftig ist!

Allerdings: An heißen Tagen „chillen“ Igel tagsüber gern in flachen Gruben unter überhängenden Pflanzen und Büschen. Sie sind dabei super getarnt und liegen ganz still. Darum werden hier sie oft Opfer von Freischneidern, Motorsensen oder Fadensensen.

NIEMALS sollte daher mit solchen Gartengeräten unter überhängende Pflanzen oder unter Büsche gearbeitet werden — außer man hat vorher (mit der Hand!) genau geprüft, ob dort ein Igel liegt.

Fakt 2: Igel sind Insektenfresser

In einer gesunden Igel-Ernährung machen Schnecken und Regenwürmer nur einen sehr, SEHR kleinen Anteil aus (deutlich unter 10%!) Das ist auch das Grundproblem, welches das große Leid der Igel heutzutage treibt:

Insekten wie Käfer und Raupen sind leider kaum noch vorhanden.

In der Not fressen die Igel vermehrt schlechte, weil ungesunde Nahrung, wie Regenwürmer und Schnecken. Die Folge sind nicht nur Unterernährung und Fehlernährung, hinzu kommt dann ein vermehrter Eintrag von Parasiten, welche Schnecken und Regenwürmer übertragen — eine dann leider oft tödliche Kombination.

Fakt 3: Igel sind Weitwanderer

Auf ihrer nächtlichen Futtersuche legen Igel mitunter regelmäßig große Strecken zurück. 3 km pro Nacht sind keine Seltenheit. Schlimm daher, wenn Mauern oder Zäune den Igeln ihren Weg versperren…

Fakt 4: Igel nutzen mehrere Nester

Wildtiere sind immer dem „Hunger“ von Parasiten wie Flöhen und Zecken ausgesetzt. Um diesem Druck ein wenig zu entgehen, wechseln Igel gern zwischen mehreren Nestern.

Übrigens: Es kann mitunter sogar während der Winterschlafzeit geschehen, dass ein Igel einmal sein Nest wechselt. Manche Igel wachen Zwischendrin mal auf und wenn sie können, wechseln sie dann mitunter auch ihr Nest.

Allerdings geben heutige Gärten und die an Strukturen verarmte Kulturlandschaft mittlerweile oft nicht ausreichend geeignete Plätze für sichere Igelnester her. Mit nur einem oder wenigen Nestern aber nimmt der Parasitendruck auf die Stachelnasen leider weiter zu.

Fakt 5: Igelflöhe können (fast) nur auf Igeln überleben

Wildtiere leben ihr ganzes Leben lang mit Parasiten. Für ein Wildtier mit einem gesunden Immunsystem ist das i.d.R. auch kein Problem. Dabei sind die Parasiten oft extrem stark auf ihr jeweiliges Wirtstier angepasst. Das gilt auch beispielsweise für den Igel-Floh. Dieser Floh kann sich nur mit bestimmten Stoffen aus dem Blut von Igeln fortpflanzen.

Das bedeutet: Ohne Igel kann diese Flohart nicht überleben! Er kann also beispielsweise nicht Katzen oder Hunde besiedeln.

(Zugegebenerweise kann ein Igelfloh sich schon einmal „verspringen“ und auf Mensch oder Haustier landen und evtl. auch mal „probeweise“ bzw. in Not dort beißen. Ihre Überlebensrate oder gar Vermehrungsrate ist auf diesen Fehlwirten jedoch vergleichsweise gering.)

Allerdings kann ein Igeln sich bei einer Katze oder einen Hund auch andere Flöhe holen und danach diese wiederum weiter verbreiten. Das ist aber zumindest in Gärten, in denen keine „verflohten“ Katzen oder Hunde rumlaufen, wohl eher eine theoretische Gefahr.

Fakt 6: Igelnester sind sehr unscheinbar

Typische Orte für Igelnester sind Gebüsche, zwischen Wurzeln, Laub und Reisig etc. Doch Igel kommen auch mit weniger aus. So haben sich Igel auch schon einfach unter Gartenpflanzen in die Erde eingebuddelt, um so Winterschlaf zu halten.

Derart verborgen lagen sie dort, dass fast nur noch ein paar Stacheln von oben sichtbar waren, wenn man die überhängende Pflanze zur Seite drückte.

Igel lieben es nun mal, praktisch unsichtbar zu leben.

Fakt 7: Igel sind Individualisten

Nicht nur sind Igel Einzelgänger, sie sind auch im Verhalten oft ganz unterschiedlich. Frappierend deutlich wird das natürlich beim Päppeln, wobei man die Igel ja sehr gut kennen lernt. Da gibt es die ganz ordentlichen Tiere, auf der Gegenseite sind dann die „Wühler & Randaliere“.

Die einen machen ihren Haufen in einer bestimmten Ecke weit vom Futterplatz entfernt. Andere legen ihre Wurst direkt auf den leeren Futterteller. Oder sogar in ihre Schlafkiste.

Und genau so sind sie auch in freier Wildbahn ganz unterschiedliche Typen.

Tatsächlich gibt es trotz der biologisch geprägten „Einzelgängerei“ durchaus auch „Freundschaften“ unter wild lebenden Igeln. Genauso häufig jedoch auch erbitterte Rivalitäten, insbesondere wenn es um rare Ressourcen geht wie Futter oder paarungsbereite Weibchen. Dann kann es schon mal zu wirklich wilden Rangeleien kommen, die mitunter auch zu unschönen Verletzungen führen können.

Fakt 8: Igel-Sex dauert lang und ist laut

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Laut geht es zu beim „Igelkarussell“

Igelmännchen werben sehr ausdauernd und zudem auch ausgesprochen geräuschvoll um ihre Angebetete.

Dabei umrunden sie das begehrte Weibchen immer wieder — oft dauert dieses „Igelkarussell“ genannte Werben sogar mehrere Stunden!

Das Stöhnen der Männchen kann für unerfahrene Ohren so laut und irritierend klingen, dass es immer wieder vorkommt, dass immer wieder Menschen, die diese Geräuschkulisse nachts nicht einordnen können, die Polizei rufen!

Fakt 9: Igelmütter kümmern sich aufopfernd um ihre Welpen

Igelmütter sind wahre Supermütter. Sie kümmern sich ganz wunderbar um ihre Babys, die man Welpen nennt. Wenn sie es körperlich leisten kann, wird eine Igelmutter ihre Babys bis zu einem Gewicht von 260 g säugen!

Wenn man überlegt, dass ein Wurf durchaus aus 4-7 Welpen besteht, ist das eine überragende Leistung.

Wegen der bereits geschilderten Probleme, gibt es diese tolle Kinderstube heute leider nur noch für sehr wenige Igel-Babys und es häufen sich die Fälle, wo die Igelmütter über der Anstrengung der Welpenpflege vor Entkräftung versterben. Deshalb ist gerade in der Welpenzucht eine Zufütterung so wertvoll!

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Nach einer Störung setzt die Igelmutter alles daran, ihre Welpen in Sicherheit zu bringen.

Übrigens: Igelmütter lassen ihre Babys auch bei Nest-Störungen nicht einfach im Stich. Vielmehr tragen sie dann die Babys aus dem zerstörten Nest zu einem anderen Ort. Jedes Baby wird dabei einzeln gerettet, so es denn nur irgendwie möglich ist.

Und die Muttertiere achten in der Regel auch auf ihre Babys bei deren ersten Erkundungen rund um das Nest.

Nach einer solchen Leistung sind die Kräfte der Igelweibchen verbraucht. Darum brauchen Igel-Mädchen im Herbst auch länger, um sich – wenn es denn hoffentlich möglich ist – noch das notwendige Gewicht für den Winterschlaf anzufuttern.

Dies ist der Grund, warum Igelweibchen später in den Winterschlaf gehen als Männchen. Leider beobachten wir Päppler*innen zunehmend, dass die Weibchen es nicht mehr schaffen, mit einem ausreichenden Gewicht in den Schlaf zu gehen. Wenn die Weibchen aber schon unterernährt in den Winterschlaf gehen, wachen sie in sehr dramatischen Zustand auf — oder eben dann leider gar nicht mehr. Daher plädieren wir für ein zuverlässiges Zufüttern unserer Gartenkobolde…

Fakt 10: Igel könnten sieben Jahre alt oder sogar älter werden

In der Literatur wird für frei lebende Igel meistens eine Lebenserwartung von bis zu sieben Jahren genannt. Allerdings wurde in einer großflächigen Reihen-Untersuchung toter Igel (sogenannter „Roadkills“ = Straßenopfer) in Dänemark das Alter des ältesten Igels auf sagenhafte 16 Jahre datiert (anhand von Zahnschmelzring-Untersuchungen).

Das Durchschnittsalter frei lebende Igel liegt aber mittlerweile bei nur noch zwei Jahren!

Von einem Wurf überlebt zudem in der Regel nur ein Jungtier lang genug, um sein individuelles Leben zu beginnen und auch danach ist die Sterblichkeit noch sehr hoch. Erst wenn ein Igel sein erstes Jahr überlebt hat, steigt seine Chance, älter zu werden.

Dass heute das Durchschnittsalter von frei lebenden Igeln laut Studien teilweise auf unter zwei Jahre gesunken ist, hat natürlich eine dramatische Auswirkungen auf die Populationen. Denn ein Igel-Mädchen muss ja mindestens zwei Jahre alt sein, um ihrerseits wieder erfolgreich Welpen groß zu ziehen. Erreichen viele Weibchen dieses Alter nicht mehr, brechen Populationen zusammen, weil es keine Nachkommen mehr gibt.

Fakt 11: Igel sind geschickte Kletterer

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Ausbruchsversuch eines kleinen Kletterkünstlers.

Wer hätte das gedacht: Igel können wirklich gut klettern! Auf ihrer nächtlichen Nahrungssuche werden sie immer versuchen, Hindernisse zu überwinden.

Leider kann das aber fatale Folgen haben, wenn Zäune oder sonstige Hürden zu lebensgefährlichen Fallen werden. Denn kleine Igel können keine hohen Stufen überwinden und von steilen Schacht-Rändern oder Zäunen kann Herr oder Frau Igel oder Igelkind böse herunterfallen.

Fakt 12: Igel sind gute Schwimmer

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Igel-Rettung aus ungesichertem Pool.

Zu den gefährlichen Fallen zählen leider auch Pools oder Gartenteiche. Tatsächlich können Igel recht gut schwimmen — aber wie soll man als kleiner Vierbeiner aus einem Pool oder Gartenteich mit steilen Rändern wieder herauskommen?

Darum sollten Wasserstellen immer einen flachen Ausgang oder eine Ausstiegshilfe haben, die auch von Igeln (und anderen kleinen Tieren) genutzt werden kann.

Fakt 13: Igel erlegen giftige Schlangen

Holzstich "Der Igel im Kampfe mit der Kreuzotter", coloriert
Historischer Holzstich „Der Igel im Kampfe mit der Kreuzotter“ von F. Specht. Lizenz: gemeinfrei (Wikimedia). Digital coloriert durch N. Straub

Igel ernähren sich bei Gelegenheit auch von kleineren Reptilien. Dabei schrecken Sie auch nicht vor giftigen Schlangen zurück. So wurde schon oft beschrieben, wie Igel Kreuzottern erlegt haben. Das Gift der Kreuzottern ist nicht so stark und wird auch nur in geringerer Menge abgegeben, als bei anderen Giftschlangen. Dennoch: Es ist nun mal Gift und kann auch für Igel tödlich sein!

Um sich zu schützen, stellen die Igel ihre Stacheln auf und senken dabei die Stirnstacheln tief ins Gesicht. So verhindern sie, dass die Kreuzotter ins Gesicht beißen kann. Igel greifen die Schlangen dann entlang des Körpers an. Die Giftzähne der Kreuzotter sind mit rund 4 mm zwar lang, aber kürzer als die Stacheln des Igels. Dies verschafft ihm einen bedeutenden Vorteil. Trotzdem: Eine Kreuzotter ist keine leichte Beute und es erfordert schon Erfahrung und Mut für einen Igel, sich an einer solchen Beute zu versuchen!

Was erstaunt Euch am meisten an Igeln?

Seiteninfo

Veröffentlicht von: am 30. August 2021 @ 16:50 Uhr. Letzte Aktualisierung: 28. März 2023 @ 13:40 Uhr.
Kategorien: Allgemein.

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