Betreuter Winterschlaf

Eingerollter Igel im Laubnest

Mit dem Spätherbst und Winter ist die Zeit gekommen, in der auf Winterschlafgewicht aufgefütterte und gesunde bzw. genesene Igel (mit mindestens. 600 Gramm Körpergewicht), kontrolliert überwintern müssen. Sie können nicht mehr einfach freigelassen werden — insbesondere die Jungtiere aus demselben Jahr, weil sie nun keine Nahrung (Insekten) mehr finden, die Deckung schwindet und sie somit Fressfeinden ausgeliefert sind und zudem auch sicherer Nester rar sind, weil die meisten durch bereits winterschlafende Igel besetzt sind.

Gerade Jungtiere sind auch noch ungeübt — vielleicht kommen sie umständebedingt sogar in für sie völlig fremde Umgebungen — und man kann bei Jungigeln nicht darauf vertrauen, dass sie umgehend in Winterschlaf fallen können. In den ersten Winterschlaf zu finden, ist nicht so einfach, weil der Körper diese massiven Umstellungen noch nie „durchgespielt“ hat und die Hormonlage ist bei Jungigeln auch noch nicht so eindeutig bzw. stabil (in diesem Punkt ähneln sie jugendlichen Menschen ;-))

Winterschlafhaus im Gebüsch
Winterschlafhaus, ins Gebüsch gerückt platziert, Foto: Nicola Straub

Kurzum: Die Päppelstationen bekommen die Igelchen mit Mühe stabilisiert und gesund — und dann braucht es über den Winter hin immer wieder Helfer*innen, die sich bereit erklären, eines oder mehrere der Tiere betreut zu überwintern.

Das Gute dabei: Eine betreute Überwinterung ist kein Hexenwerk, sondern auch für Laien gut machbar!

Es gibt aber einige wichtige Dinge zu beachten, die wir im Folgenden zusammenfassen. Darüber hinaus findet Ihr untenstehend auch einen Flyer, in dem die wichtigsten Dinge komprimiert enthalten sind.

Vorab: Dauer des Winteschlafes bedenken!

Der Winterschlaf von gesunden Igeln dauert bis in den April hinein, mitunter sogar bis zum Mai! Dessen sollte man sich im Klaren sein, bevor man sich für das „Abenteuer Überwinterung“ einlässt. Da das Tier in dieser Zeit auch zwischendrin einmal aufwachen kann, ist es wichtig sicherzustellen, dass in diesem Fall das Aufwachen bemerkt wird und die dann notwendige Versorgung dann gewährleistet ist. Einzelne geplante Abwesenheiten müssen dabei jedoch kein Hinderungsgrund sein. So kann bei Abwesenheit beispielsweise eine Überwachungskamera aufgestellt werden, die bei Bewegung im Gehege Alarm schlägt. Ein entsprechend instruierter, netter Nachbar könnte dann beispielsweise vorbereitetes Futter und Wasser in das Gehege bringen und so einige Abwesenheitstage überbrücken.

Sind jedoch mehrere Wochen Urlaub geplant, so sollte unbedingt sichergestellt werden, dass sich jemand um Gehege und evtl. aufwachendes Tier kümmern kann, der auch Notzustände erkennt (z. B. Tagaktivität, schlechter Kot, Gewichtsverlust o.ä.) und dann sinnvoll eingreifen kann (z. B. Kotanalyse veranlassen, Kontakt zur pflegenden Päppelstelle aufnehmen etc.).

1. Geeignetes Gehege

Wer einen Igel betreut überwintern möchte oder muss, benötigt zunächst einmal einen Platz im Garten und ein Igel-geeignetes Gehege. Igel sind wahre Ausbruchskünstler, weswegen ein sicheres Gehege einige Kriterien erfüllen muss:

Steinreihe innen als Unterbuddelungsschutz
Steinreihe innen als Unterbuddelungsschutz, Foto: Nicola Straub
  • Größe: Möglichst 2 m2
  • Gitterart: senkrechtes Stabgitter. Mind. 50 cm hoch oder oben geschlossen oder mit Überkletterschutz versehen.
    ACHTUNG: Igel klettern sehr gern und dies macht Kaninchendraht zu einer ernsthaften Gefahr: Immer wieder geraten Igel mit Füßen/Beinen beim Klettern in die Maschen, was leider nicht selten zu üblen Verletzungen bis hin zum Bruch des Beines führt!
  • Unterbuddelungsschutz: Eine einzige Nacht reicht einem Igel aus, um sich unter einem Gitter hindurch zu buddeln. Gehege müssen daher gegen Unterbuddeln geschützt sein. Dies kann ein eingebauter Unterbuddelungsschutz sein, wie es manche Gehege mitbringen, besser noch legt man das Gehege innen rundherum mit schweren Steinen aus.

2. Standort

Ein Igel hält im Idealfall viele Monate lang Winterschlaf. Damit er aus diesem gesund wieder aufwachen kann, ist die Qualität seines Nestes wichtig. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass sich das Nest in Warmphasen und bei Sonne nicht zu sehr aufwärmt.

Merke: In unseren Breiten ist nicht Kälte das Problem, vielmehr kann Wärme oder Temperatur-Chaos bedrohlich werden!

Das Gehege sollte daher immer sonnengeschützt stehen oder zumindest so ausgerichtet sein, dass der Bereich mit dem Überwinterungshaus schattig steht. Idealerweise zieht man das Gehege beispielsweise wenigstens teilweise unter Büsche oder quer durch ein Beet. Das bietet auch den Vorteil, dass der Igel im Frühjahr nach dem Erwachen ein angenehmeres, weil strukturierteres Umfeld vorfindet, als reine Wiese.

3. Winterschlafgeeignetes Haus

In der freien Natur buddeln sich Igel deshalb oft einfach in Erdmulden ein. Der Vorteil dabei: Der Igel ist durch die „Erdanbindung“ vor größeren Temperaturschwankungen geschützt.

Lässt man Igel betreut überwintern kann man ihnen jedoch nicht zumuten, in dem begrenzten und vom Menschen gewählten Areal einen optimalen Platz zu finden. Deshalb muss man ein Winterschlafhaus anbieten, welches die besten Voraussetzungen für ein sicheres Nest bietet, in dem der Igel sich auch wohl genug fühlt, um in die Winterschlaf-Umstellung zu gehen.

Dazu sollte das Haus folgende Eigenschaften haben:

  • Wetterfestes, aber dennoch „atmendes“ Material, wie (innen) unbehandeltes Holz.
    Pappe oder Kunststoff sind im Gehege ungeeignet, da es entweder aufweicht (Pappe) oder Feuchtigkeit staut, was zu Schimmel führt (Kunststoff)
  • Labyrintheingang, also eine Vorkammer, die den Eingang vom Schlafraum trennt.
    Der Labyrintheingang schützt vor Wind und eindringender Feuchtigkeit und dient dem Sicherheitsgefühl des Igels, da er durch den Vorraum vor einer Störung durch andere Tiere geschützt ist.
  • Wohnraum etwa 30 cm breit, 30cm tief und auch 30 cm hoch!
    Igel „kämmen“ sich ihre Nestfüllung zu einer festen Umhüllung zurecht. Dazu drehen sie sich immer wieder um die eigene Achse, so dass um sie herum eine verdichtete Schicht des Nestmaterials entstehe — fast wie ein Kokon (deshalb bitte auch später das Nest nicht mehr stören, die Kokonstruktur ginge dabei kaputt!)

Positionierung des Hauses

Das Schlafhaus kann entweder in das Gehege hinein gestellt werden, alternativ kann man es auch von außen an eines der Gehege-Törchen anbinden:

Beschattetes Gehege mit tief im Gebüsch platziertem Haus
Beschattetes Gehege mit tief im Gebüsch außen platziertem Haus (Markierung), Foto: Nicola Straub
  • Stellt man das Haus außen an das Gehege, muss es gut am Gehege befestigt werden. Sonst könnte der Igel es wegschieben und so ausbrechen. Aus dem selben Grund benötigt ein außen angebrachtes Haus unbedingt einen fest montierten Boden und ein gesichertes Dach, um einen Ausbruch durch ausbuddeln oder aussteigen zu verhindern. Da ein Boden den Abfluss von Feuchtigkeit behindert, sollte bei dieser Art der Aufstellung für eine gute Belüftung gesorgt sein. Beispielsweise können Belüftungslöcher in das Haus eingebohrt werden (siehe auch Bauanleitung Winterschlafhaus).
    Der Vorteil einer Aufstellung des Hauses außen am Gehege ist dafür, dass mehr Lauffläche im Gehege bleibt (gerade bei kleinen Gehegen prima) und zudem das Haus bei Außenmontage meist besser unter Gebüschen platziert werden kann (siehe Foto).
  • Stellt man das Haus innerhalb des Geheges auf und hat das Gehege kein Dach, das ein Herausklettern verhindert, so muss das Haus unbedingt in der Mitte bzw. mit deutlichem Abstand zur Gehegewand platziert werden. Denn Igel sind erstaunliche Kletterer und es gelingt ihnen oft, auf das Schlafhaus zu klettern und von dort dann über den Rand des Geheges auszubrechen. Dies ist sogar der häufigste Ausbruchsweg, direkt gefolgt vom Unterbuddeln!

Stroh ist das geeignete Nestmaterial

Als Innenmaterial für das Nest eignet sich am besten Stroh. Von Zeitung ist abzuraten, weil Zeitungspapier Feuchtigkeit anzieht und dadurch sehr schnell pappig wird. Es isoliert dann nicht mehr und der Igel liegt feucht. Auch Heu ist nicht geeignet! Zum einen kommt es bei Heu leider vor, dass sich längere Halme um die Biene wickeln und zu Abschnürungen führen, bis hin zum Absterben des abgeschnürten Teiles. Zum anderen wird auch Heu pappig, wenn es feucht wird. Und wer sich an die Schulzeit und den „Heuaufguss“-Versuch erinnert, weiß auch, wie schnell Keime in nassem Heu wachsen…

Stroh dagegen zieht Wasser nicht an, es behält auch in feuchtem Zustand seine Struktur und kann somit besser isolieren und es schimmelt auch weniger/langsamer. Durch die steiferen und kürzeren Halme gibt es keine Verwicklungen an den Beinen, trotzdem lässt es sich gut von den Igeln zu einem festen Nest verarbeiten.

Das einzige, das Igeln am Stroh gefährlich werden kann, sind Grannen — darum sollte beim Strohkauf darauf geachtet werden, kurzhalmiges und grannenfreies Stroh zu wählen. Ideal ist Haferstroh. Und wenn man dieses zunächst einmal kurz ausschüttet, fallen übrig gebliebene Schalen und mögliche Spelzenbruchstücke heraus und finden nicht den Weg ins Haus.

Natürlich kann dem Igel auch trockenes Laub und/oder Moos angeboten werden. Meist ist es jedoch gar nicht so einfach, dies in wirklich trockenem Zustand in ausreichendem Maß zu finden (man glaubt gar nicht, wie viel Material ein Igel in sein Haus schafft!). Zudem trägt man sich mit Laub oft unliebsame Mitbewohner und Schimmelkeime ins Igelhaus hinein. Von daher tut man sich mit Stroh leichter, für einen sauberen und trockenen Start des Nestes zu sorgen.

Wie voll ist voll?

Für den Igel füllt man das Haus mit Stroh schon einmal vor. Und dabei sollte man großzügig sein: Am besten füllt man die Wohnkammer des Hauses bis obenhin mit Stroh. Also komplett voll füllen, denn:

Wenn man denkt, es passt kein Igel mehr hinein, wird der Igel hineingehen und noch massenhaft weiteres Material einbauen!

Corinna Zocher

Darum ist es wichtig, dem Tier nebenbei noch zusätzlich Nestmaterial zum „Weiterbauen“ zur Verfügung zu stellen. Damit dies trocken liegt, legt man es beispielsweise unter einen überdachten Bereich des Geheges und/oder steckt es in einen liegenden eckigen Eimer. Meist holt sich der Igel aus diesem „Vorratslager“ dann noch richtig viel Material für sein Nest. Darum das Lager bitte auch immer wieder auffüllen, wenn das Tier es leer gearbeitet haben sollte.

Wie lange weiterfüttern?

Um direkt mit einem Gerücht aufzuräumen: Futtermangel ist NICHT „der Auslöser“ des Winterschlafs! Es ist nur EIN Faktor unter vielen, die zusammengenommen den Körper des Igel veranlassen, die komplexe hormonelle Umstellung anzustoßen, die am Ende in den Winterschlaf mündet.

Von daher plädieren wir dazu, die Tiere im Freigehege normal weiter zu füttern. Je nach individuellem Status schlafen manche Tiere nach dem Heraussetzen in das Winterschlaf-Gehege sehr schnell ein, manche sogar praktisch sofort. Gerade wenn die Temperaturen wirklich winterlich sind und das Tier vielleicht schon drinnen noch während der notwendigen Behandlung erste Anzeichen zum Schlaf gezeigt hat. Allerdings kommt es auch oft vor, dass gerade Jungigel einige Zeit benötigen, bis es ihnen gelingt, die physiologisch komplexe Umstellung zu bewerkstelligen.

Was, wenn „mein“ Igel partout nicht einschläft?

Wenn ein Igel trotz passend dimensionierter und ausreichend gefüllter Behausung sowie „passenden“ Temperaturen partout nicht einzuschlafen vermag, sollte Kontakt mit der pflegenden Igelstation aufgenommen werden. Diese kennt die Krankheitshistorie des Tieres und kann auf dieser Basis am besten mögliche gesundheitliche Gründe erörtern. Zudem sollte eine aktuelle Kotuntersuchung erfolgen, um auszuschließen, dass eventuell doch wieder zu hohe Parasitenbelastungen aufgetreten sind.

Insbesondere bei für den Winter zu warmem oder sehr unbeständigem Wetter, kann dies sogar einige Wochen dauern!

Dabei können die Gründe für einen ausbleibenden Winterschlaf sehr vielfältig sein — und das Angebot von Futter ist erfahrungsgemäß nicht ausschlaggebend dafür, dass Igel nicht in den Schlaf finden.

Zudem gilt zu bedenken, dass die Igel bei Futtermangel im Freigehege wieder in ihr Verhalten fallen, als Notnahrung Schnecken und Regenwürmer zu fressen. Dadurch kommt es erneut zu Parasitierungen, die nicht nur die Gesundheit bedrohen. Vielmehr sind gerade Darmparasiten sehr häufig der Grund für Unruhe und Winterschlafproblemen!

Welches Futter?

Gefüttert werden wache Igel nach Möglichkeit mit geeignetem Nassfutter. Nassfutter ist immer vorzuziehen, da Trockenfutter weniger gesund ist und insbesondere auch zu hartnäckigen Zahnbelägen führt, die in lebensgefährliche Entzündungen münden können.

Abdecken von Futterschalen

Ist der Igel eingeschlafen und würde somit bereitgestelltes Nassfutter verderben, kann ein abgedecktes Schälchen mit Trockenfutter bereit gestellt werden. Durch das Abdecken bleibt das Futter für einige Zeit geschützt. Netter Nebeneffekt: Man sieht so beim täglichen Kontrollgang auf einen Blick am weggeschobenen Deckelchen, dass der Igel aufgewacht ist.

Deshalb bitte während der gesamten Winterschlafzeit darauf achten, dass ständig sowohl frisches Wasser als auch ein Futtervorrat im Gehege verfügbar ist.

Übrigens: Weil Igel echte Verborgenheits-Könige sind und man oft gar nicht bemerkt, wenn ein Igel zwischendrin wach wird und sein Haus verlässt, kann man auch ein kleines Klötzchen o.ä. in den Hauseingang legen, sobald das Tier eingeschlafen ist. Verlässt es später das Häuschen, schiebt er dabei das Klötzchen aus dem Eingang heraus.

Wann & wie freilassen?

Wie bereits oben beschrieben, schläft ein gesunder Igel bis weit in den April, eventuell sogar bis in den Mai hinein. Gerade Igelchen, die erst spät im Winter gesundet und somit sehr spät eingeschlafen sind, holen — entsprechende Witterung vorausgesetzt — gern noch „möglichst viel Winterschlaf aus den restlichen Wochen“ heraus.

Andere Igel wachen schon früh auf. Und sind die Temperaturen schon im Februar auf Frühling gebürstet, kann es vorkommen, dass mancher Überwinterungsgast leider deutlich früher aufwacht, als die Natur es eigentlich vorgesehen hat.

In diesen Fällen können die Stacheltiere leider nicht sofort freigelassen werden. Denn die Natur ist noch nicht so weit, ihnen ausreichend gesundes Futter und vor allem auch Deckung zu geben. Eine Auswilderung darf aber erst erfolgen, wenn Mutter Natur beides bietet: Insekten und auch soweit belaubte Gebüsche, dass diese Deckung bieten. Das ist oft erst Ende April oder Anfang Mai der Fall.

Aber die Gartenigel sind doch schon wach…?

Auch wenn schon wilde Igel im Garten wach und unterwegs sind, kann es für die kontrolliert überwinterten Igel noch zu früh sein! Aktive „angestammte Gartenigel“ sind damit kein geeignetes Anzeichen dafür, dass eine Auswilderung bereits erfolgen kann! Denn die heimischen Igel kennen sich in ihrem Revier bereits gut aus. Sie haben ihre festen Niststellen und vor allem wissen sie sehr genau, wo bereits früh welche Futterquellen verfügbar sind.

Dieses Wissen haben die betreut überwinterten Igel dagegen nicht. Sie sind deshalb darauf angewiesen, erst dann in ihr neues Gebiet entlassen zu werden, wenn dieses für sie gute Bedingungen bietet. Zudem handelt es sich in den meisten Fällen bei den betreuten Tieren um Jungtiere des vorangegangenen Jahres. Die sind generell in vielem noch unerfahren und brauchen um so dringender wirklich gute Ausgangsbedingungen für ihren Neuanfang!

Wacht ein Igel für seine Auswilderung zu früh auf, muss er leider zunächst im Gehege bleiben. Dies gilt so lange, bis die Natur die notwendigen Voraussetzungen für die Auswilderung geschaffen hat.

Kontrolle der Gesundheit

Es lohnt sich, diese Zeit zu nutzen, um noch einmal eine abschließende Kotanalyse machen zu lassen. Immerhin war der beherbergte Igel ja ursprünglich schwer krank in Menschenhand gekommen. Vielleicht ist die Gesundung doch noch nicht nachhaltig gewesen. Beispielsweise erfassen gerade bei ursprünglich kleinen Igeln die entsprechend dem geringen Igelgewicht notgedrungen ja niedrig dosierten Medikamente manchmal nicht alle Parasiten. Die dann übrig gebliebenen Plagegeister können über den Winterschlaf noch einmal so hochwachsen, dass eine abschließende Wurmkur angeraten ist. Eine Kotuntersuchung liefert deshalb jetzt Sicherheit für das Tier.

Und schließlich verlieren Igel über den Winterschlaf ordentlich an Gewicht. Dieses Gewicht muss nun zunächst wieder aufgefüttert werden. Die Gewichtskontrolle und das Beobachten des Fressverhaltens hilft übrigens auch dabei, eventuelle Probleme zu erkennen: Ein gesunder Igel frisst jetzt mit gutem Appetit und nimmt kontinuierlich gut zu.

Eines Nachts das Törchen öffnen…

Ist gesundheitlich alles ok und auch die Umwelt bereits für den Igel, das bedeutet:

  • Die Büsche sind ausreichend belaubt,
  • die Nachtemperaturen liegen dauerhaft bei mindestens 8 °C, so dass auch die bodengebundene (!) Insektenwelt wieder ausreichend verfügbar ist
  • und der Igel hat wieder sein Vor-Winterschlafgewicht erreicht,

ist es Zeit, das Tier in Freiheit zu lassen.

Empfehlenswert ist es, „seinen“ Igel vorher noch einmal mit etwas Nagellack zu markieren: Einfach einige Stachelspitzen am Rücken mit einer nicht-roten Farbe einpinseln (z. B: gelb, grün, hellblau…). Rot ist ungünstig, da ein roter Fleck wie Blut wirken kann. Das kann u.a. dazu führen, dass das Igelchen beispielsweise unnötig einkassiert wird, weil jemand eine Verwundung vermutet. Hilfreich kann es auch sein, die Nachbarn „vorzuwarnen“. Igel laufen bis zu 3 km weit auf ihren nächtlichen Futterzügen und durchqueren dabei viele Gärten. Ein frisch freigelassener Igel wandert vielleicht sogar noch weiter, weil er sich zunächst orientiert. Allzu leicht kann er dann Opfer unvorsichtiger Gartenarbeiten werden — sind die Nachbarn dagegen entsprechend informiert, können sie besser aufpassen!

Die eigentliche Freilassung ist unspektakulär: Eines schönen Abends (bitte nicht grad in einer Regennacht) lässt man das Gehege-Törchen einfach offen. Bei den leicht abbaubaren Stellgehegen kann man auch einfach tagsüber leise das Gehege abbauen, so dass das Wohnhaus frei steht. Wacht das Igelchen dann abends auf, wird er nach eigenem Gutdünken losstiefeln…

Häuschen stehen lassen

Bitte das Häuschen jedoch auch danach noch weiter stehen lassen, selbst wenn Herr oder Frau Stachel zunächst nicht wiederkehren. Es ist üblich, dass die Igel zunächst längere Orientierungswanderungen unternehmen. Dabei verbringen sie auch die Tage womöglich in entfernten Gebilden. Genauso gut kann es aber sein, dass sie sich nach dem Orientierungslauf zunächst zurück einfinden.

Man kann aber das Haus gut ein wenig tiefer in ein Gebüsch rücken, so dass es ganz verborgen steht. Wenn es ein größeres Stück zum nächstgelegenen Busch ist, einfach das Haus jeden Tag nur ein kleines Stück verrutschen.

Übrigens: Ist wirklich sicher, dass das Tier gerade nicht im Haus wohnt, ist jetzt die Gelegenheit, es zu reinigen. Das alte Stroh wird dabei komplett entfernt und entsorgt. Das Haus wird von eventuellen Kot- sowie Urinresten gereinigt und gründlich mit viel kochendem Wasser desinfiziert. Bevor man es wieder anbietet, bitte gut austrocknen lassen! Und wer weiß, vielleicht wird das so wieder hergerichtete Haus im Sommer noch zur Kinderstube?

Bitte immer weiter Futter anbieten

Auch das Füttern bitte nicht einstellen. Denn auch hier gilt: Selbst wenn das Igelchen einige Tage weg bleibt, bitte weiterhin Futter anbieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Tier allein aus der Natur ausreichend gesund ernähren kann, sind leider sehr, SEHR niedrig. Denn als Insektenfresser sind die Igel nun mal auf Käfer & Co. angewiesen, während Schnecken und Regenwürmer sie auf Dauer krank machen. Zu Bedenken gilt es zudem: Gerade bei Weibchen steht bald auch noch Trächtigkeit und die Versorgung eines Wurfes an.

Kein Gehege möglich: Welche Alternativen gibt es?

Ein Igel muss überwintert werden, aber es gibt keine Möglichkeit, ein Freigehege aufzustellen.

Im Notfall kann man Igel auch ohne Freigehege überwintern. Dazu bietet sich beispielsweise ein geräumiger Mehrschweinchen-Käfig an. In Notfällen reicht auch eine möglichst große, geräumige Box, wie sie beispielsweise Igelpflegestellen manchmal verwenden. Zu Bedenken ist allerdings: Die Raumknappheit ist für ein viel laufendes Wildtier eine starke Beengung und somit eine Stress-Situation. Und obwohl man einem kranken Tier während der Behandlung notgedrungen eine Beengung zumuten darf, gilt es ein gesundetes Tier vor solchem Stress nach Möglichkeit zu bewahren.

Doch oft werden ehemalige Notfall-Tiere erst spät im Winter (beispielsweise erst im Januar oder gar Februar) gesund. Diese haben dann eh nur noch eine kurze Möglichkeit, wenigstens einige Wochen des für ihre Gesundheit so wichtigen Winterschlafes zu bekommen. In diesem Fall — und insbesondere wenn die Tiere bereits deutlich ihre Schlafbereitschaft anzeigen — ist es besser für die Tiere, im Käfig oder gar Box noch einige Wochen zu schlafen, als mangels Gehegemöglichkeit gar nicht winterschlafen zu können.

Im untenstehenden Flyer ist beschrieben, wie eine Box oder ein Käfig als Winterschlafbehältnis genutzt werden kann.

WICHTIG: Wacht das Tier hierin dann nach dem Winterschlaf auf, muss es schnellstmöglich in ein Gehege gebracht werden. Darum bitte die Zeit des Schlafes unbedingt nutzen, um einen geeigneten Gehegeplatz für nach dem Aufwachen zu finden und vorzubereiten!

Seiteninfo

Veröffentlicht von: am 19. November 2021 @ 03:51 Uhr. Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2022 @ 19:31 Uhr.
Kategorien: Allgemein.

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