Neues Revier für Igelpfleglinge

Igel läuft durch Landschaft

Werden Igel in Pflege genommen, ist der beste Ausgang die Gesundung des Tieres. Sobald ein Igel wieder gesund ist, gehört er schnellstmöglich zurück in die Natur.

Gesetzlich ist vorgesehen, dass ein Igel nach dem Gesundpflegen wieder in sein angestammtes Revier entlassen werden muss. Dafür gibt es gute Gründe: Denn Igel sind reviertreu. Sie prägen sich ihr Revier sehr gut ein und wissen dann genau, wo sie Wasser finden, wo die besten Stellen zur Futtersuche sind und wo sie ihre sicheren Nester haben.

Dennoch gibt es gar nicht so selten Fälle, in denen es unmöglich ist oder fahrlässig wäre, die gesund gepflegten Tiere an den Fundort zurück zu bringen.

Gründe dafür, Igel nicht am Fundort auszuwildern

  • Der Fundort ist unbekannt
    Immer wieder werden Igel in Tierarztpraxen oder Tierheimen abgegeben, ohne dass die Finder erklären, woher die Tiere genau stammen. Selbst private Päppler erhalten manchmal Tiere „anonym“. Ist der Fundort nicht bekannt, kann natürlich dort nicht ausgewildert werden.
  • Der Fundort ist zerstört
    Nicht selten werden Tiere aufgegriffen, die durch Baumaßnahmen oder Rodungen von ehemaligen Brachflächen aufgescheucht und/oder verletzt wurden. Sie später in diese zerstörten Lebensräume zurückzubringen, wäre für die Tiere eine Katastrophe.
  • Der Fundort ist nicht auskömmlich
    Werden Igel in sehr schlechtem Ernährungszustand und/oder mit extremer Parasitierung gefunden, zeigt dies i.d.R., dass der Lebensraum des Tieres nicht (mehr) auskömmlich ist. Das heißt: Es gibt hier nicht mehr ausreichend Futter (=Insekten), es sind notwendige Strukturen wie Gebüsche und Unterholz verloren gegangen etc. Es macht einfach keinen Sinn, einen Igel mühsam gesund zu pflegen, um ihn dann in einem Gebiet auszusetzen, in dem er kein Futter und keine Deckung und für den Nestbau geeigneten Strukturen findet.
  • Der Lebensraum weist zu große Gefahren auf
    Dasselbe gilt für Gefährdungslagen: Befinden sich im Lebensraum ungesicherte Pools oder sonstige Absturzstellen? Liegt der Fundort zwischen stark befahrenen Straßen? Laufen in Nachbargärten Tag & Nacht Mähroboter oder es wird immer wieder Gift ausgelegt? In all diesen Fällen wäre es fahrlässig, das Tier wieder dort auszuwildern!
  • Handaufzucht verwaister Babys
    Verwaiste Babys habe noch keine Prägung auf ihren ursprünglichen Lebensraum. Während in der Natur bereits die Früh-Sterblichkeit von Igelwelpen sehr hoch ist, überleben in Päppelstellen — wenn alles gut läuft — die kompletten Würfe bis zur Auswilderungsreife. Selbst wenn der ursprüngliche Lebensraum bekannt und von der Struktur her für Igel auskömmlich ist: Dass dieser tatsächlich auch für eine größere Zahl an Igeln ausreichend Unterschlupfe und vor allem Nahrung bietet, ist kaum zu erwarten.
In all diesen Fällen — und das ist leider deutlich häufiger der Fall als man meinen würde — muss für die Igel ein neuer Lebensraum gefunden werden, in dem die Tiere ausgewildert werden können!

Welche Gärten sich als Auswilderungs-Revier eignen

  • Naturgarten: Viele Pflanzen, insbesondere auch Büsche mit Unterwuchs oder bis zum Boden reichend. Versteckmöglichkeiten und verwilderte Ecken, Totholz & Laub im Garten (z.B. unter Büschen). Hier findest Du mehr Infos dazu, wie Du deinen Garten igelfreundlich gestalten kannst.
  • Gefahrenausschluss: Kein Gifteinsatz im Garten. Keinen Mähroboter im eigenen oder einen der Nachbargärten und auch keine Rasentrimmer oder ähnliches. Diese verursachen extrem häufig schlimmste Verletzungen bei Igeln! Kellerschächte und Treppen sind so gesichert, dass kein Igel hinein- oder herunterstürzen kann. Es passieren sonst schreckliche Unfälle! Möglichst keine gefährlichen Straßen in direkter Nähe — also beispielsweise direkt vor dem Haus.
  • Durchlässigkeit: Möglichkeiten für den Igel, auch durch die Nachbargärten zu wandern: Der neue Heimatgarten muss als an möglichst verschiedenen Stellen verlassen werden können und der Igel muss auch gefahrlos wieder zurück zu kommen, um bei euch zu fressen und/oder zu schlafen (s.o.). Manche Zäune stellen für Igel gefährliche Fallen dar, solche Zäune sollten gesichert werden.
  • Eine natürliche Wasserstelle (mit sicherer Ausstiegsmöglichkeit/flachem Ufer) oder Wasserschale, die täglich gereinigt und frisch befüllt wird.
  • Du bist bereit, ein Igel-Futterhaus zu bauen/kaufen, um die Igel sicher und zuverlässig zuzufüttern, so dass sie bei dir ein feste Anlaufstelle haben.

Wenn du bis hierhin alles bejahen konntest und häufig zustimmend genickt hast: Herzlich Willkommen als neuer Igel-Gastgeber!

Ein Wildtier glücklich und satt zu machen, ist wirklich kein Hexenwerk, aber man sollte einige Dinge beachten, damit dein neuer stacheliger Gartenbewohner auch gesund bleibt! Hier findest Du die Infos dazu, was Du für eine Auswilderung benötigst und wie sie konkret abläuft.

Wie Du Kontakt mit einer Päppelstelle aufnimmst

Päppelstellen sind ständig auf der Suche nach geeigneten Auswilderungs-Gärten. Wenn Dein Garten geeignet ist und Du gern einen Igel aufnehmen möchtest, freut sich eine naheliegende Igel-Pflegestelle ganz sicher über Dein Angebot!

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Kontakt zu Päppler*innen aufzunehmen:

Kontakt über spezielle Auswilderungs-Gruppen

Es gibt bei Facebook Gruppen, die sich darauf spezialisiert haben, Naturgartenbesitzer*innen und suchende Igel-Pflegende zu verknüpfen. Ein Beispiel für eine solche, überregional aktive Gruppe ist diese hier: Igel Auswilderungsplatz im Naturgarten

Kontakt über lokale Igelhilfe-Gruppen

Neben solchen auf die Auswilderung spezialisierten Gruppen gibt es auch lokal ausgerichtete Igelhilfe-Gruppen. Solche findet man am besten, indem man Stichworte wie „Igelhilfe [Stadt]“ in die Suche bei Google oder Facebook eingibt. In der Gruppe stellt man dann sein Garten-Angebot ein.

Gezielt nach lokalen Igelhilfen suchen

Und schließlich kann man natürlich auch direkt nach einer Igelhilfe suchen, die in der Nähe aktiv ist. Auch dies gelingt am besten über die Suche bei Google oder Facebook.

Kopfbild: Egor Kamelev via Pexels

Seiteninfo

Veröffentlicht von: am 21. September 2021 @ 14:04 Uhr. Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2022 @ 16:07 Uhr.
Kategorien: Allgemein.

2 Gedanken zu „Neues Revier für Igelpfleglinge

  1. Hallo an das Team von Igelpfade.
    Mein Mann und ich haben ein Haus mit Garten an den Alten Heide 18, in Bünde Hunnebrock. Da wir im letzten Jahr sehr krank waren, war der Garten verwahrlost und nun sind wir dabei, ihn wieder neu zu gestalten. Dazu gehört für uns auch eine Igelecke, mit altem Holz und Laub usw. Wîr wohnen hier nun 24 Jahe und hatten viele Jahr lang Igel. Eine Mutter mit 5 Kindern, die in unserem Holzunterstand „gewohnt “ hat und mehrere Igel aus der Nachbarschaft, die sich um das Igelfutter gekabbelt haben, wie die Wildkamera gezeigt hat. Da wir zu unserer älteren Katze noch zwei Welpen bekamen, haben wir versucht, dass Grundstück ausbruchssicher zu machen. Das war dann das „Verhängnis“ für die Igel. Keine Katze kam raus und kein Igel mehr rein. Nun ist es so, dass sich unser Katzenbestand um eine Katze verringert und noch mal um zwei Welpen erweitert hat und wir für unsere Katzen von Omlet ein großes Gehege gekauft haben, da es uns zu riskant ist, die Mäuse frei laufen zu lassen. So besteht nun die Möglichkeit, dass Grundstück für Igel wieder zugänglich zu machen. Ich habe schon Igelfutter ausgelegt aber das mag unsere „Hausdrossel“ sehr gerne.
    So wollte ich fragen, ob es möglich wäre bei ihnen Igel zur Auswilderung im eigenen Garten zu bekommen.
    Wir würden uns sehr gut kümmern, mit Wasserstelle, Igelfutter, Igelburg (wurde damals nicht angenommen). Es war so schön, diese kleinen bis sogar ziemlich großen Wesen in unserem Garten herumstreifen zu sehen und es wäre schön, wenn es wieder so sein könnte.
    Ich hatte mich bereits bei der Igelhilfe Herford erkundigt aber leider keine Antwort bekommen.
    Sollte bei ihnen keine Möglichkeit bestehen, dann wäre ich dankbar für eine Antwort oder für eine Adresse, an die mich mich wenden könnte.
    Mit freundlichen Grüßen
    Eheleute Jendroska
    Katze Lotte, Katze Mimi, Katze, Mona, Katze Emma

    1. Hallo liebe Eheleute Jendroska,

      vielen Dank für das tolle Angebot. Grundsätzlich — so ist es auch vom Gesetz vorgesehen — sollten Igel immer an der Fundstelle auch wieder freigesetzt werden. ABER: Tatsächlich ist das sehr oft nicht möglich. Beispielsweise wenn die Stelle gar nicht genau bekannt ist, wenn an der Fundstelle sichtbar kein Lebensraum für den Igel besteht, wenn es große Gefahren gibt, wenn es ein handaufgezogener Wurf ist, bei dem natürlich nicht alle Tiere an der selben Stelle ausgewildert werden können. Und es gibt sogar Gartenbesitzer, die sich schlicht weigern, einen Igel zurückzunehmen.

      In all diesen Fällen suchen die Päppelstationen händeringend nach geeigneten neuen Revieren für ihre liebevoll aufgepäppelten Tiere. Wie schön, dass Sie solch einen Platz anbieten möchten!

      Ich habe Ihr Angebot in einer Gruppe von Päppelstellen genannt und hoffe, dass sich vor Ort bei Ihnen bzw. in der Nähe vielleicht jemand findet, der genau solch ein Angebot sucht.

      Herzliche Grüße
      Nicola Straub

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