Igelin Anneli kämpft verzweifelt um Körner. Foto: Sarah Stenschke

Woche des Igels — Nahrungsmangel

Dieses Jahr wollen wir in der Woche der Igel von Päppeligeln berichten, deren Schicksal jeweils auf eine der typischen Gefahren zurückgeht, denen Igel regelmäßig zum Opfer fallen. Alle vorgestellten Igel haben überlebt, teils aber nur knapp und dank aufwendiger medizinischer Maßnahmen. Zahllose andere Igel sterben jedes Jahr aufgrund solcher Gefahren.

Insektensterben = verhungernde Igel

Dies ist die Geschichte von Anneli. Anneli wurde Ende März 2021 in Hürth gefunden, als sie am helllichten Tag mit einer Krähe um ein paar Körner Vogelfutter stritt (Bild ganz oben).

Anneli war ein Haufen Elend: Bis auf die Knochen abgemagert, mit Zecken und Flöhen übersät. In ihrem Bauch befand sich nur Sand und Gras.

Sie war wie viele andere Igel auch sehr früh aus dem Winterschlaf erwacht, weil sie vermutlich schon krank und ausgemergelt eingeschlafen war. Ihr kleiner Körper hatte einfach keine Kraft und keine Reserven mehr, um ihr den so wichtigen Winterschlaf noch ein bisschen länger zu gönnen. Es war sogar ein Glück, dass sie überhaupt noch wach wurde!

So war sie also bereits im März hungrig und schlapp aufgewacht und suchte verzweifelt Nahrung, um zu überleben. Doch durch das ausgeprägte Insektensterben in den letzten Jahren (bis zu 70 Prozent weniger Insekten!) fehlt es an Laufkäfern, Raupen und Engerlingen — der natürlichen Nahrung von Igeln. Igel werden dadurch gezwungen immer mehr Schnecken und Regenwürmer zu fressen, die sie schwer krank machen und ihnen zudem nicht die wichtigen Nährstoffe bieten, die sie benötigen.

In Annelis Fall waren noch nicht einmal ausreichend Regenwürmer und Schnecken verfügbar, so dass sie sich in ihrer großen Verzweiflung mit letzter Kraft sogar tagsüber auf den Weg machte, um nur irgendetwas zu finden, womit sie ihren Bauch füllen kann.

Igelin Anneli bei der Auswilderung
Igelin Anneli bei der Auswilderung. Foto: Sarah Stenschke

Dass sie sich dabei an Vogelfutter versuchte, das sie gar nicht verdauen kann und sogar Sand und Gras im Bauch hatte, zeigt welches riesengroße Elend unsere heimischen Igel tagtäglich bei der Futtersuche erleben. Zur Unterernährung und Fehlernährung kamen bei der armen Maus noch massive Parasitierungen in Lunge und Darm hinzu sowie viele Zecken und Milben, die von außen an ihr sogen.

Dass sie sich sogar einer Krähe stellte — und diese sie nicht erledigte, ist ein enormes Glück. Gerade Krähenvögel sind rasch dabei, wenn Igel tagaktiv werden und hacken ihnen meist zunächst die Augen aus, um dann weitere schlimme Verletzungen zu setzen.

Anneli erreichte die Igelstation völlig entkräftet und konnte zunächst auch nur Miniportionen an Aufbaunahrung vertragen. Nach nur einzelnen Millilitern (!) Päppelbrei wurde sie von Würgreiz geschüttelt.

Viele Igel schaffen es nach solch einer dramatischen Unterernährung nicht wieder zurück ins Leben. Oft sind die Organe schon zu schwer geschädigt durch die monatelangen Hungerphasen und den Nährstoffmangel durch Fehlernährung. Doch Anneli kämpfte und kam langsam, Schritt für Schritt wieder zu Kräften, so dass sie schließlich gesund wieder ausgewildert werden konnte!

Was Du konkret tun kannst

Garten-, aber auch Balkonbesitzer können einiges tun, um zu helfen, dass Igel und andere Insektenfresser zukünftig wieder mehr Nahrung finden. Tipps dazu findest Du weiter unten.

Doch Anneli und ihre Freunde können leider nicht einfach abwarten, bis die Käfer zurückkehren. Wollen wir die Igel nicht verlieren, brauchen sie jetzt konkrete Hilfe durch Zufütterung! Denn der Teufelskreis aus Unterernährung, Fehlernährung und Krankheit ist ohne die wichtige, tägliche Zufütterung im Garten kaum zu durchbrechen. Daher unsere Bitte:

Richte ein Futterhaus für Igel ein

Richte daher eine zuverlässige Futterstelle in Deinem Garten ein. Optimal geeignet ist ein Igel-Futterhaus mit zwei Eingängen und ggf. auch Klapptüren, die Ratten abhalten (sogenannte Rattenklappen). Du kannst z.B. Katzenfutter füttern, es gibt unzählige geeignete Nassfutter-Sorten in allen Preisklassen.

Tipp: Nutze ein Futterhaus ohne Boden und wechsle den Standort öfter einmal. Nicht aufgefressene Futterreste und Verschmutzung solltest Du täglich entfernen. Wenn Du ein Futterhaus mit Boden benutzt, lege es z.B. immer mit Zeitung aus und/oder desinfiziere das Haus regelmäßig durch Überschütten mit kochendem Wasser. So bleibt die Futterstelle immer hygienisch.

Gestalte Deinen Garten naturfreundlich

  • Pflanze heimische Pflanzen
  • Sorge für mehr Strukturen wie Büsche & Hecken etc. als Verstecke und Lebensraum für Igel und Käfer
  • Bringe Totholz in Deinen Garten
  • Mähe weniger und/oder immer nur die Hälfte
  • Nutze kein Gift
  • Prüfe bei Gartenarbeiten immer vorher, ob Du einen Igel verletzen könntest
  • Sorge in Zäunen für sichere Durchschlupfe
  • Lege einen Teich an und sichere ihn mit Ausstiegsmöglichkeiten

Von einem weniger steril gestalteten, sondern lebendigen bunten Garten profitieren nicht nur Insekten und Igel, sondern auch Du selbst. Was Du konkret tun kannst, liest Du hier — inklusive Links zu Pflanztipps, Käferkeller und Co.: Gärten igelfreundlich gestalten.

Mit jeder heimischen Futterpflanze, die Du pflanzt oder tolerierst und mit jeder „unaufgeräumten Ecke mit Totholz, stellst Du dich gegen das Insektensterben und hilfst, wieder eine Nahrungsgrundlage für unsere Insektenfresser wie Igel, Schwalben, Fledermäuse etc. zu schaffen.

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